"Die Fruchbarkeit deutsch-russischer Zusammenarbeit" von Slawa Baryschewski, Samara
„Das Werk „Kusnetzow“ hat seinen Ursprung in den Fabriken von Junkers“. „Das ist wahr. Ich schätze, dass Deutschland jetzt wahnsinnig beleidigt darüber ist, nicht auf der Liste der Länder zu stehen, die den Kosmos erschlossen haben. Der Genius der deutschen Wissenschaftler und Ingenieure ermöglichte es bereits in den 40er Jahren, reaktive Triebwerke zu schaffen. Für das Jahr 1946 planten die Deutschen den Beginn eines umfassenden Raketenkrieges. Und hätten sie ihn begonnen, hätte Russland diesen Wahnsinn nicht begegnen können. Das Raketenzentrum in Peenemünde, das Institut in Adlershof, das unterirdische Werk in Nordhausen/Thüringen. Eine solche Produktivität gibt es auch heute nirgendwo auf der Welt – 30 Raketen pro Tag! Hitler stellte die Aufgabe, eine Produktivität von 60 Raketen/Tag zu erzielen.
Jetzt, wenn du erfährst, auf welchem Niveau die technische Entwicklung des faschistischen Deutschlands gestanden hat, fragst du dich, wie wir es trotzdem besiegen konnten. Der russische Genius und der deutsche Genius. Sie trafen aufeinander und bewirkten einen blutigen Krieg. Vereinigt, eroberten sie den Weltraum. Die Amerikaner schöpften die Sahne von allen besetzten Betrieben Deutschlands ab, sie transportierten die Konstrukteure, Dokumentationen und Hunderte fertiger V-Raketen ab. 1347 russische Ingenieure, in das besiegte Deutschland geschickt, kratzten die Reste zusammen. Oberstleutnant Sergej Korolow traf dort erst im Juli 1945 ein. Die Amerikaner, auf dem Fertigen sitzend, haben niemals erwartet, das wir trotzdem die ersten im Kosmos sein werden. Der deutsche Genius hat sich mit dem russischen vereinigt. Diese genialen, unermüdlichen Arbeiter, diese klugen Deutschen arbeiteten mit unseren Konstrukteuren hier zusammen, hier in Krassnaja Glinka. Darüber, wie das war, erzählt den Lesern der „SG“ Wjatscheslaw Barischewski. Sein Vater war einer der Konstrukteure im Büro von Nikolai Kusnetzow. Schon viele Jahre unterhält W.B. Verbindungen mit Deutschen, die sich bis heute an Upraw erinnern. Sie nennen es „Upra“, bitten um Fotografien der Insel Seljonenki und – weinen.
Wie man die Deutschen an die WOLGA gebracht hat? „Die Amerikaner haben Dessau erobert. Die Elite dieses Werkes wurde mit süßen Konfekt gelockt, worauf diese nach Amerika folgte. Ingenieure, führende Ingenieure, Leute mit einem großen Erfahrungsschatz, blieben dort. Zum Beispiel Dr. Banas war ein führender Ingenieur in diesem Betrieb. Lange hatte er eine Arbeit in diesem völlig zerstörten Deutschland gesucht und fand sie als Elektriker in einer Fabrik für die Verarbeitung von Hopfen. Eines Tages kommt ein Mann zu ihm und sagt: Herr Banas, Junkers. Man wartet auf sie. Kommen Sie bitte morgen ins Werk.“ Und geht weg. Dr. Banas freut sich mächtig, dass man ihn dorthin zur Arbeit ruft – seine Lieblingstätigkeit. Er kommt dorthin und sofort wird er wieder in die Arbeit im Werk eingestellt, wie auch viele andere. Die Leitung war formal eine deutsche. Das waren sehr gute Spezialisten. Zum Beispiel Dr. Brandner. Sie begannen, das Werk wieder aufzurichten. Ihr Ziel war es, etwas zu tun, etwas zu schaffen – „das neue Deutschland braucht eure Hände und Köpfe.“ Und so arbeiten sie im Verlaufe des nächsten Jahres.
Im Jahre 1946 begannen die Werke Junkers, BMW und Askania sich auf die Evakuierung in die Sowjetunion vorzubereiten. Die USA und England erklärten der Sowjetregierung den Protest, weil laut der Dokumente des Potsdamer Abkommens es untersagt war, Kriegstechnik, darunter Triebwerke, zu bauen. In der Nacht auf den 21. Oktober 1946 kam man zu ihnen und sagte: „Guten Morgen, Genossen.“ Es war 4 Uhr früh. Dieser Dr. Banas bereitete sich gerade auf eine Dienstreise vor, er steht in der Tür mit seiner Aktentasche, die Frau ist schwanger, sie begleitet ihn, da klopft es an die Tür. Ein Offizier, ein Dolmetscher und ein Zug Soldaten mit „Mandolinen“ (Maschinenpistolen). Und man sagt zu ihm: „Herr Banas, möchten Sie nicht nach Russland reisen?“ „Welches Russland, ich bin auf Dienstreise.“ Man antwortet ihm: „Heute fahren Züge nirgendwohin. Kurz gesagt, packen Sie zusammen.“ Er sagt: „Wie soll ich zusammen packen, wenn meine Frau im 9. Monat ist und jeden Moment niederkommen kann.“ Sie wohnten bei den Großeltern zusammen mit den Eltern. „Dann nehmen wir die Großeltern mit. Sie haben doch wohl auch eine Beziehung zum Werk, wohnen sie doch gleich nebenan.“ Kurz gesagt, nur mit Mühe wurde vereinbart, die Großeltern nicht mit zu nehmen. Sie packten alles zusammen, sogar die Katze“. „Also maximal komfortable Bedingungen?“ „Ja. Frau Banas hat gesagt: „Ich möchte meine Kuh und mein Pferd mitnehmen.“ Man antwortet ihr: „Warum?“ „Das Pferd ist mein Lieblingspferd. Ich möchte auf ihm reiten. Wie kann ich es hier lassen? Und die Kuh, Entschuldigung, ich habe hier ein kleines Kind, und was ist ein kleines Kind ohne Milch?“ Man antwortet ihr: „Nun, für das Pferd gibt es keinen Platz, aber die Kuh nehmen wir mit.“ Und schafften die Kuh, Heu und alles aus dem Haus zum Zug. Und so wurden sie aufgeladen. Das Gefühl ist klar: man schafft sie nach Sibirien. Wohin sonst? Die Frau dieses Banas sagt: „Hör mal, ich habe einen Mantel zum Nähen gegeben. Geht er nun verloren?“ Banas geht zum Offizier, einem Major, und sagt ihm: „Offizier, meiner Frau schneidert man einen Mantel.“ Der Offizier dreht sich um und geht schweigend davon. Er denkt: „Nun, das war´s.“ Nach 5 Minuten kommt der Offizier, nimmt ihn an der Hand und geht mit ihm – zu einem Lastwagen. Man setzt ihn da hinein, sagt “bitte.“ Und sie fahren 30km und bringen so den Mantel. Jeder Familie wurde ein Coupé und ein halber Güterwagen zugeteilt. Man gab „Nahrungsmittelpakete“ aus, die Schokolade enthielten, Butter, Konserven. Sie sagten, dass sie solche Waren das letzte Mal vor genau 3 Jahre gesehen haben. Die einzige Unannehmlichkeit war: einige erhielten Reis, andere Makkaroni, wieder andere Buchweizen. Es wurde sofort getauscht“. „Man ließ sie kommunal wohnen?“ „Wie anders sollte man sie unterbringen? Nebenbei gesagt, gab es dort eine prächtige Menge Zigaretten. Und diese Zigaretten waren es, wie die Männer später erzählten, die sie von einer Hysterie retteten. Die Frauen saßen mit den Kindern im Coupé und die Männer standen in den Korridoren und rauchten ohne Unterlass.“ „Die Situation war ziemlich seltsam: alles so höflich. Was gab es zu befürchten? „Aber diese Situation: wohin bringt man uns?“ „Hatten sie das nicht begriffen?“ „Bis zum letzten Moment haben sie das nicht kapiert. Sie bekamen einen echten Nervenknick, als sie die Grenze zwischen Deutschland und Polen überquerten. Sie sahen plötzlich deutsche Kriegsgefangene unterwegs, erschöpfte, es waren viele, da begriffen sie. Und in einer plötzlichen Anwandlung rissen sie die Fenster auf, obwohl die sowjetischen Offiziere „Verboten“ schrien, sie nahmen einfach alles, was sie aus ihren Paketen greifen konnten und warfen es auf die Schienen zu den Soldaten.“ „Eine unerwartete Reaktion. Alles irgendwie sehr russisch“. „Wir sind ihnen überhaupt sehr ähnlich. Der erste Schock in Russland erfolgte in Brest. Man führte sie in den Bahnhof, um sie zu beköstigen. Sie kommen in den Wartesaal und dort befindet sich eine große Ansammlung von Krüppel, ohne Hände, ohne Füße, alle sitzen auf dem Boden. Für die Deutschen – ein eingezäunter Platz, umgeben von Soldaten, es stehen Tische dort. Und angesichts dieser hungrigen Krüppel wird ein feierliches Abendessen gegeben. Sie sagten: „Man hätte uns dort besser nicht hingeführt. Wir hätten es auch mit unseren Paketen überlebt.“ Ja, in Polen versuchten Banditen Waggons abzukoppeln, aber die russische Schutztruppe führte so eine Kanonade durch, dass die Polen schnell davonrannten. Herrn Banas wurde erzählt, dass er sich keine Gedanken wegen seiner schwangeren Frau machen müsse. Im Zug befanden sich tatsächlich hervorragende Ärzte - Männer von der Front. In der Familie Klähn fiel ein kleines Mädchen hin, stieß mit dem Kopf gegen einen Eimer und riß sich in die Stirn eine große Wunde. Alle waren erschrocken. Da kommt der Arzt, wäscht die Wunde aus, holt ein Pflaster aus der Tasche, öffnet es mit den Zähnen und verklebt die Wunde. Selbst eine Schramme blieb nicht übrig“. "So kamen sie nach Krassnaja Glinka. Wie viele waren es?“ „Ich habe nur Angaben zu einzelnen Zügen, die in die UdSSR geschickt wurden, aber nicht zur Anzahl der Leute. Es waren 92 Züge. Ein Zug hieß 8 bis 10 Personenwagen und 20 Güterwaggons“. Eine Ergänzung: Nach Upra wurden 405 deutsche Ingenieure und Techniker, 258 hochqualifizierte Arbeiter, 37 Angestellte, sowie eine kleine Gruppe von Dienstpersonal geschickt. Mit ihnen kamen 1174 Familienmitglieder. Im Ergebnis dieser Entwicklung befanden sich in Upra Ende Oktober 1946 mehr Deutsche als Russen. „Es ist Nacht. Die Waggons werden ausgeladen. Sie tuscheln miteinander, weil niemand weiß, wie es weiter geht. Und sehen ein erschütterndes Bild: die Schienen sind hier zu Ende, Sackgasse. Weiter geht es nicht mehr. Man beginnt, die Leute aufzurufen, in die Busse zu setzen. Man fährt sie nach Upra. Keine einzige Laterne brennt“.
Was war damals Upra? „Es gab Häuser mit 2 Etagen, die auch heute noch stehen. Sie waren Teil der finnischen Reparationszahlungen. Bei uns in Upra gab es ein finnisches Dorf. Die russischen Familien wurden mit ihren Nachbarn zusammengelegt“. Eine Ergänzung: Die russischen Familien wurden in Baracken untergebracht, ohne den Komfort der deutschen Familien. „Und so kommt dieser Dr. Banas mit seiner Frau an. Es ist Nacht, Schneesturm. Vor dem Haus steht ein Mann im Pelz und mit Walenki, Schapka auf dem Kopf und sagt auf Deutsch: „Ich – Kommandant. Bitte!“ Er reißt das provisorische Holzkreuz von der Tür, öffnet sie, sie gehen hinauf“. „Und die Wohnung ist warm“. „Sie gehen hinein, Streichhölzer flammen auf, sie begeben sich in den 2. Stock und plötzlich sehen sie, an den Türen hängen Tafeln, dort festgemacht, kein Papier, Tafeln, und darauf – in lateinischen Buchstaben „Banas.“ Kannst du dir vorstellen, du fährst nach Sibirien und findest an der Tür auf einer Tafel deinen Namen? Sie gingen hinein und fanden eine völlig leere Wohnung vor, dazu einen Stapel aufgeschichtetes Brennholz, einen tollen russischen Ofen und Streichhölzer. Und weiter nichts. Was sollte man mit dem russischen Ofen anfangen? Kein normaler Deutscher kennt sich da aus. Sie aber, wie die Stieftochter im Märchen, heizten ihre winzigen Öfen mit Reisig…Sie ließen sich auf die Stufen nieder und begannen zu weinen. Und so weinten sie stundenlang.
Abgesehen von den Paketen und all das, man hätte mit ihnen machen können, was man wollte, man hätte sie sonst wohin jagen können. Andererseits waren es friedliche Leute.“ „Diese Ingenieure haben Bomber gebaut“. „Diese Ingenieure haben Motore gebaut. Später flogen mit ihnen die „Junkers“. Die Männer haben das natürlich verstanden, aber sie haben sich kaum als Mörder gefühlt. Obwohl sie, nach unserem Verständnis, das waren, weil sie Bomber produzierten. Aber das ist schon wieder ein anderes Thema.“
„Die Fahrt von Dr. Banas mit seiner schwangeren Frau war noch nicht der extremste Fall. Es gab schlimmere Dinge. So fragte man einen der Deutschen: „Lieber Freund, sage uns bitte, mit wem fährst du nach Russland. Mit der Frau oder mit der Geliebten?“ Er antwortet: „Mit der Geliebten.“ Und die Frau sollte mit 3 Kindern hier in Deutschland bleiben. Unser Kommandant sagte: „OK.“ Geduldig trennt er die Familie, …. doch dann kommt das Parteikomitee. Und man lädt die Frau mit den 3 Kindern in den Zug nach Russland. Dann treffen sie in Upra ein, man gibt ihnen wie allen anderen ein Zimmer. Und was macht der arme Deutsche? Er teilt das Zimmer durch einen Vorhang, auf der einen Seite er mit der Geliebten, auf der anderen die Vier. Nach einem Jahre erschlug die Frau die Kinder und tötete sich selbst. Das war das traurige Ende in dieser lustigen Geschichte. Ein anderer Deutsche stürzte sich vor Sehnsucht vom Dach des Werkes. Die Sehnsucht nach der Heimat hat ihn kaputt gemacht.“ „Das macht zwei. Und die anderen waren normal?“ „Ja. So kamen sie also an. 3 Tage lang brachte man ihnen ihren Plunder, sie richten sich ein, aber schnell hatten sie das Holz verbraucht, die Deutschen brannten es zu schnell ab, machten ein so großes Feuer im Ofen, weil sie nicht verstanden, wie man das macht. Nach 10 Tagen sagte man ihnen: „Liebe Freunde, wir laden sie in unseren Betrieb ein.“ Zu diesem Zeitpunkt hatte man schon das Dessauer Werk herangeschafft. Ein Gebäude war errichtet worden. Man setzte sie in den Saal des alten Klubs und sagte zu ihnen: „Nun, werte Herren Ingenieure, wir schlagen vor, mit der Arbeit zu beginnen.“ Sie antworten: „Nein. Wir werden für den ehemaligen Feind nicht arbeiten. Wir haben Prinzipien.“ Man antwortete ihnen: „Gut. Gehen Sie nach Hause.“ Und die stehen auf und gehen einfach nach Hause. „Aber wovon sollten sie leben?“ „Das war das Dilemma. War doch die Familie da. So hätte er gehungert: „Ich bin stolz und schön.“ Aber zu Hause sitzt die Frau, die der Deutsche gewöhnt war, zu versorgen, seine Mentalität.“ „Wie lebten sie?“ „Unter ihnen waren alle möglichen Leute. Es gab welche, die sich anständig gegenüber der SU verhielten. Es entstand ein Parteiaktiv, tolle Versammlungen fanden statt. Sie brachten ein Infoblatt heraus und schufen eine Infoecke. Das heißt, dass sich viele schnell anpassten. Die Leute waren aufnahmefähig – die Ideologie war schließlich die gleiche. Man erklärte ihnen: „Es ist doch besser, hier ist die Menschlichkeit. Der Kommunismus bedeutet Glück für alle, aber ihr wollt sie nur für euch selbst.“ Sie begannen sich zu schämen und anzupassen, sie wollten ein anderes Glück. Das ist alles normal. Aber unter ihnen blieben auch jene, die nichts mit der örtlichen Macht im Besonderen und den Russen in Allgemeinen zu tun haben wollten. So erkrankte die neugeborene Tochter eines Ingenieurs, es machte sich eine Bluttransfusion erforderlich. Er gestattete eine mit russischem Blut nicht. Und das Mädchen starb. Kurz gesagt, sie arbeiteten, lernten voneinander, alles ging gut. Besonders für die deutschen Kinder: sie hatten 3 Monate Ferien! In welchem Deutschland gab es denn 3 Monate Ferien? 20 Tage – die maximale Dauer von Ferien. Sie lernen dort sogar im Sommer. Bei ihnen ist das Klima nicht so unterschiedlich wie bei uns. 3 Monate Ferien und das auf der Insel Seljonenki.
Ein Deutscher kam 1996 nach Upra, grauhaarig, fuhr auf die Insel, umarmte einen Baum und weinte. Der bärtiger Mann weinte: „Genau hier, unter diesem Baum habe ich immer mein Zelt hingestellt.“ Sie haben sich hier wunderbar erholt, sie machten weite Spaziergänge, waren also ausreichend frei. Auf jeden Fall wurde der „Pfad der Liebe“, der heute so heißt (bis zum Fluss Sok und dann zurück über Krassnaja Glinka) ihre traditionelle Route. Anfangs lebten sie unter der Aufsicht der Kommandantur, in die Stadt zu fahren war nur mit Aufsicht möglich. Später lockerte sich das Regime, sie fuhren dorthin nach der Arbeit.
Es gab Momente der Freundschaft, der Liebe. Aber die Russen im Dorf verschwanden danach irgendwohin. Die Deutschen blieben, aber die Russen verschwanden. Ich denke nicht in ein Lager, sondern irgendwohin, verliebt in Sünde…“ "Aber warum ließ man sie nicht miteinander verkehren. Die Deutschen hätten Wurzeln geschlagen.“ „Nun, wozu. Sie bewahrten trotz allem ihre Mentalität, ihre Art zu leben. Sie hatten ihre eigene Schule, die 8. Spezialschule. Sie gibt es schon lange nicht mehr. Die russischen Lehrer unterrichteten auf Deutsch. Kürzlich ist leider der letzte dieser Lehrer verstorben. Bis heute lebt unter den bereits alten Deutschen die Legende über diese Schule weiter, über die Lehrer, sie erinnern sich, weinen. Jetzt gibt es in Upra dort einen Park. In dem Park gibt es einen Volleyballplatz. Dieser unterscheidet sich von allen Plätzen in Upra dadurch, dass dort nach Regen keine Pfützen entstehen. Eben diese Deutschen lehrten unseren Jungens: auf 6 Meter ist der Boden abzuräumen und mit Schichten verschiedener Erden, Sand, Bauschutt u.a. aufzufüllen, damit das Volleyballspiel Spaß macht. Das nennt man Enthusiasmus! Mit den Deutschen haben wir alle Feste zusammen gefeiert. Und das haben inzwischen die jungen russischen Kollegen übernommen.
Die Deutschen sind sehr häuslich. Für sie hat die Lebensweise eine prinzipielle Bedeutung. Hierbei haben sie sich übertroffen. Sie schufen für sich ein Tanzorchester, selbst eine Bierbar haben sie sich eingerichtet, wohin auch Russen gingen. Kurz gesagt, die Russen haben sich auch dabei eingefunden. Zum Beispiel spielte mein Nachbar, Onkel Wanja, bei den Deutschen Trompete. Die Deutschen hielten sich Ziegen, gingen in die Pilze.“ „Also Leute, die einem nahe sind, die man verstehen kann?“ „Ja, nur waren diese sauberer, akkurater angezogen. Unsere Leute haben sich das alles angeeignet.“ „Gibt es heute noch Spuren aus dieser Zeit?“ „Natürlich. Bis heute unterscheidet sich Upra von der gesamten Krassnoglinkaer Region dadurch, dass die Leute dem Geiste nach den Deutschen näher stehen. Sie wohnen etwas anders, sehen etwas anders aus. Das ist eine fast europäische Bevölkerung…“
„Wie haben sie gearbeitet? Was taten sie im Werk?“ „Im Werk machten sie alles. Sie begannen, mit unseren jungen Ingenieuren zusammen zu arbeiten, die man ihnen dort übergab. Bei einem deutschen Spezialisten befanden sich immer zwei-drei Jungs aus unseren Hochschulen. Die besten Absolventen wurden diesen Deutschen beigegeben. Ihre Chefs sagten ihnen: „Jungs, wir haben euch im Institut das beigebracht, was notwendig war. Jetzt das hier. Es sind Spezialisten einer hohen Klasse, lernt bei ihnen wie Peter I. bei den holländischen Zimmerleuten. Lernt!“ Und sie begannen zu arbeiten. Mein Vater hat einmal erzählt, dass ein Deutscher aus der Hand einen perfekten Kreis jeder beliebigen Größe aufs Papier brachte, den man von ihm verlangte. Papa hat mir erzählt, dass sie zuerst deutsche Triebwerke auseinander nahmen, die Teile vermaßen, sie aufzeichneten und sie erneut erschufen, besser, entwickelter – mit Hilfe der deutschen Spezialisten. Man musste keinen russischen Computer erfinden, den Computer gab es ja, man musste ihn verbessern. Wir haben uns vom deutschen Triebwerk abgestoßen und kamen im Ergebnis dieser Entwicklung zum NK-33. Sie arbeiteten wunderbar schöpferisch und ihnen waren alle Bedingungen zum Schöpfertum gegeben. Und sie dachten schon nicht mehr daran, dass sie für den Feind arbeiteten. Das waren Klassejungs, wunderbare Ingenieure, die hier auf die russischen Ingenieure trafen, jünger als sie, aber zusammen bildeten sie ein ausgezeichnetes Kommando.“ „Warum beschloss man, dass sie 1953 wieder in die Heimat zurück kehren können?“ „Weil zu dieser Zeit unsere Spezialisten ausreichend vorbereitet waren.“ „Es kam unerwartet.“ „Klar, unerwartet. Nein, man sagte ihnen: „Sie werden bestimmt nach Deutschland zurückkehren.“ Und als schließlich das Wort „geht“ ertönte, packten einige Leute sofort ein, lebten praktisch aus dem Koffer. Aber es gab auch tragische Geschichten. Als Beispiel: ein junger Deutsche beendete die Schule. Dann trat er in ein Pädagogisches Institut ein und verliebte sich in ein Mädchen. Und sie in ihn, ein ganzer Roman. Alles wunderbar, alles prima. Aber das ist schon nicht mehr Upra, das ist schon in der Stadt, da passt man auf die beiden nicht auf. Sie lieben sich, sie ist schon bei seinen Eltern bekannt. Eines Abends gehen sie zusammen ins Theater. Sie kommen ins Foyer, da kommt ein Mensch auf sie zu und sagt: „Schluss, Morgen geht der Transport.“ Papa geht nach Hause, packt die letzten Kleinigkeiten, aber die beiden wandern bis in den Morgen am Ufer entlang, verabschieden sich und sehen sich nie wieder – bis in die 90er Jahre, nachdem 58 Jahre vergangen waren.
Ich freundete mich mit diesem Menschen in Deutschland an und er sagte. „Finde meine Freundin.“ Ich machte es. Sie wohnte in Ust-Kinelsk. Eine einfache russische Baba. Eine unglückliche Ehe, sie lebte nicht sehr gut all die Jahre. Sie musste immer an ihn denken, sie liebte ihn. Ich komme zu ihr, sie steht im Hauseingang. Ich zeige Fotos. „Kennen Sie diesen Menschen?“ Sie sinkt auf eine Bank. Dann sage ich: „Sehen Sie, er erinnert sich an sie, los, wir organisieren eine Fahrt dorthin.“ Wir besorgen den Pass, holen Visa für sie und den Enkel ein, sie kommen zu mir gefahren. Ich gebe ihnen den Pass, als das Telefon läutet. Ich lausche und verstehe. Sie steht hier vor mir, aber alles ist umsonst, wie es aus dem Telefon tönt. „Ich kann sie nicht empfangen. Bei meiner Frau hat man Krebs festgestellt und bei mir auch. Gerade jetzt. Die Diagnose haben wir heute erst erhalten. Meiner Frau geht es schlecht. Entschuldigen Sie mich, mir ist es, ehrlich gesagt, nicht nach Gästen.“ Ich antwortete: „Gut. Ich erzähle es ihr.“ Ich lege den Hörer auf, erzähle. Sie: „Nun, für umsonst bin ich nicht hier.“ Und geht. Nach einiger Zeit erfahre ich, dass sie sich zusammen mit ihrem Enkel, der in der Schule deutsch lernt, in den Zug gesetzt hat und dorthin gefahren ist. Sie rief ihm vom Bahnhof an und sagte: „Ich bin da.“ Und da in diesem kleinen deutschen Städtchen… den ganzen Tag regnet es. Sie liefen durch die Straßen und erzählten sich. Der Enkel wartete auf dem Bahnhof, die krebskranke Frau zu Hause. Und sie gehen den ganzen Tag spazieren und denken an die letzte Nacht an den Ufern. Abends gehen sie auseinander, schauen sich noch einmal in die Augen, sicher schon zum letzten Mal, nunmehr für immer. Ja, so eine Geschichte ist das. Sie weinen, wenn sie an Upra denken. Und erfragen bei B. Birischewski, wenn er in Deutschland weilt, die kleinsten Dinge. “Wie ist es dort, was ist dort?“ Der russische Genius und der deutsche Genius. Wjatschelaw meint, dass wir uns sehr ähnlich sind. Wir können Wunder vollbringen. Wenn wir zusammen gehen.“