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Prof.Dr.sc. Heinz Hartlepp:" Erinnerungen an Samara. Deutsche Spezialisten in der UdSSR von 1946 bis 1954"
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Prof.Dr.sc. Heinz Hartlepp:" Wiedersehen nach 47 Jahren."               
Auszug aus dem Buch von Prof. Dr.sc. Heinz Hartlepp:
"Auf Befehl der sowjetischen Militäradministration wurden am 22. Oktober 1946 aus der ehemaligen Luftfahrtindustrie der Firmen Junkers, BMW und Askania 606 Spezialisten mit 517 Ehefrauen, 6 Großmütter und 929 Kindern in mehreren Sonderzügen unter militärischer Gewalt in die Sowjetunion nach Kuibyschew (heute wieder Samara) an der Wolga zwangsverlagert. Ihre Aufgabe bestand in der Weiterentwicklung von Strahlturbinen und Propellerturbinen für die sowjetische Luftfahrtindustrie.

Eine weitere Gruppe von 522 Flugzeugspezialisten mit Familien hat im gleichen Zeitraum bei Moskau die Entwicklung von modernen strahlgetriebenen Flugzeugen in der Umgebung von Moskau durchführen müssen. Die Askania-Leute waren für Aufgaben der Fernsteuerung von Flugkörpern eingesetzt.

Da es weder eine vertragliche Regelung über diesen Arbeitseinsatz noch eine soziale Absicherung gab, war das ein rechtloses Leben in völliger Ungewissheit, gleichsam staatenlos in einem fremden Land. Bei den Arbeiterfamilien erschwerten finanzielle Sorgen das Leben beträchtlich. Die Verzweiflung führte in Uprawlentscheski zu 4 Selbstmorden. Insgesamt waren über 50 Todesfälle, darunter 8 Kinder, zu beklagen. Dennoch wurden im Verlauf des 8-jährigen Exils 60 Kinder geboren.


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Die ehemaligen Russlandspezialisten haben sich auch nach ihrer Rückkehr in die Heimat häufig zusammengefunden. Während in der BRD regelmässige organisierte Treffen als "Brandnerfamilie" stattfanden, war das in der DDR im grossen Stil nicht möglich. Das Zusammensein beschränkte sich auf den engeren Freundeskreis in den Wohnungen, wo man unter sich war und ungehindert reden konnte. Die Jahre in der UdSSR hatte die Menschen zusammengeführt. Erst nach der Wende 1990 wurde ein gemeinsames Treffen aller ehemaligen Spezialisten aus Ost und West möglich. Vom Herausgeber des im Bernard & Graefe Verlag erschienenen Buches "Luftfahrt Ost", Herrn Michels, wurde das vorbereitet und organisiert. Er hatte durch die Recherchen zu diesem Buch mit vielen ehemaligen Spezialisten Kontakte aufgenommen. Auch öffneten sich im Osten Deutschlands viele Archive auch mit den Adressen der ehemaligen Russlandfahrer. Zu Hilfe kam ihm dabei Herr Jochen Werner, der nach der Wende, um weiter arbeiten zu können, als Diplomingenieur das Archiv der Flugzeugwerke Dresden übernommen hatte und sich damit beschäftigte, als Zeitzeuge ein Buch über die Luftfahrtindustrie in der DDR zu schreiben. Beide schlossen sich zusammen und fungierten als Herausgeber. So konnten nahezu alle Spezialisten zu einem an der TU Dresden vor-bereiteten Treffen im Herbst 1995 eingeladen werden. Dieses erste gemeinsame Treffen hatte einen grossen Erfolg. Auch wurde danach für 1996 eine Wolga-Schiffsreise mit Tagesaufenthalten in Podberesje, Samara und Uprawlentscheski vorbereitet an der sich etwa 40 Personen beteiligten. Auf dieser Reise wurde mit professionellem Können ein Video mit mehreren Interviews gedreht, das bedauerlicherweise von keinem Fernsehsender übernommen wurde.

Die Söhne und Töchter der Spezialisten haben sich Dank der Initiative von Herrn Udo Klähn schon eher zu verschiedenen Treffen in Pirna zusammengefunden, entsprechende Räumlichkeiten stellte dankenswerter Weise die Kirchgemeinde Pirna Sonnenstein im neu erbauten Gemeindehaus bereit. Das erste Treffen war 1992. Die Beteiligung war sehr gross, hatten sie doch gemeinsame Schuljahre in Uprawlentscheski verbracht."


Inzwischen haben weitere Treffen, von Kurt Wittke organisert,  stattgefunden, so 2005 in Dessau und 2006 in Pirna.


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Standort: MDR.DE | Fernsehen | Reportagen & Dokumentationen | Geschichte
Mi, 18.10. | 23:35 Uhr        Stalins deutsche Elite         Sendung vom 18.10.2006

Ein Film von Martin Hübner

Vor genau 60 Jahren, im Oktober 1946, werden mehrere tausend deutsche Wissenschaftler und Ingenieure samt ihren Familien in einer beispiellosen Nacht- und Nebelaktion von sowjetischen Spezialkommandos aus den Betten geholt und in die Sowjetunion abtransportiert. Ein ganz spezielles Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte. Einer von ihnen ist der Triebwerksspezialist Helmut Banas, der von 1936 bis Kriegsende bei den Junkers-Flugzeugwerken an neuartigen "Wunderwaffen" arbeitete. Ihn überraschten die Sowjets am 22. Oktober 1946 in Dessau. Noch heute - 60 Jahre später - kann er sich sehr genau daran erinnern: "Um sechs Uhr früh klingelte es Sturm an der Haustür. Als ich die Tür öffnete, stand ein bewaffnetes sowjetisches Spezialkommando vor mir. Das Haus sei umstellt. Ein Dolmetscher übersetzte die kurze Ansprache des Sowjet-Offiziers: 'Auf Befehl der sowjetischen Militäradministration müssen Sie fünf Jahre in der Sowjetunion arbeiten. Sie können Ihre Frau und Kinder mitnehmen und so viele Sachen wie Sie wollen ...'." 
 
Boris Tschertok war einer der wichtigsten sowjetischen Headhunter. Mit dem nächtlichen "Kidnapping" läuft im Oktober 1946 der größte Know-How-Transfer des 20. Jahrhunderts an. So wie Junkers-Mann Banas ergeht es zur gleichen Stunde tausenden Kollegen in der gesamten Sowjetischen Besatzungszone. Gleich mehrere Güterzüge, vollgestopft mit "Wunderwerken deutscher Ingenieurskunst" und den dazugehörigen Ingenieuren, dampfen auf Befehl Stalins in Richtung Moskau ab. Einer der wichtigsten Leute unter ihnen ist der Raketenspezialist Helmut Gröttrup, einer der Stellvertreter Wernher von Brauns, der sich als spiritus rector des V2-Raketenprogramms bereits vor Kriegsende in den Dienst der US-Army gestellt hatte. Gröttrup hatte sich von den Sowjets in die Ostzone abwerben lassen, wo er in Bleicherode für die wissbegierigen Sieger die V2-Technologie rekonstruierte - bis zu jenem schicksalhaften Oktobertag 1946. Noch im Zug verfasst er einen Protestbrief an Stalin. Eine Antwort wird er nie bekommen ... 
 
Herr Hertel, Triebwerksspezialisten bei Junkers, mit seiner Familie vor ihrem Holzhaus in Upra bei Kuibitschew Nach 14-tägiger Bahnfahrt beziehen die deportierten Deutschen ihr neues "Zuhause" in der Fremde, ohne zu wissen, ob sie jemals wieder die Heimat sehen werden. Dennoch gehen die erbeuteten Techniker und Ingenieure aus Mitteldeutschland, die kurz zuvor noch mehr oder weniger fanatisch für "Führer, Volk und Vaterland" an der Arbeitsfront gekämpft hatten, sogleich an die neuen Aufgaben. Mit deutscher Gründlichkeit konstruieren sie Flugzeuge und Raketen für Stalins Imperium. Sie hatten auch kaum eine andere Chance. Die Stunde der Pragmatiker? Vor dem Hintergrund, das Los der Millionen deutschen Kriegsgefangenen teilen zu müssen, fällt es "Hitlers Himmelsstürmern" nicht schwer, sich in den Dienst Stalins zu stellen. Im zerstörten Deutschland der Nachkriegszeit, das war offensichtlich, würde es auf absehbare Zeit keine Arbeit für sie geben.
 
Der Film erzählt das Schicksal der deutschen Spezialisten nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Das Schicksal einer deutschen Elite im heraufziehenden Kalten Krieg. Im Mittelpunkt stehen dabei die persönlichen Geschichten und Schicksale der deportierten Deutschen selbst: Helmut Banas (Dessau), Helmut Gröttrup (Bleicherode), Werner Holzmüller (Leipzig), Werner Albring (Dresden), Horst Schneider (Staßfurt). Aber auch sowjetische Zeitgenossen, die die Ereignisse aus der Perspektive der Sieger erlebt und bestimmt haben, kommen zu Wort.